Home |  Lit.Kalender |  Kirche & Musik |  Jugend & Familie |  Über die Pfarre  

Die Kirche St. Michael in Heiligenstadt

Die Kirche ist im 19. Wiener Gemeindebezirk, Ecke Hohe Warte 72 und Grinzingerstraße 78.

St. Michael - die Geschichte

Die 1. Spuren bis zum heiligen Severin

Die Besiedlung in und um Heiligenstadt lässt sich wahrscheinlich bis in die Urgeschichte zurückverfolgen, eindeutige Belege gibt es aber erst ab der Römerzeit. Die römische Straße entlang der Donau und der Limes verliefen durch diesen Ort. In der Vita Sancti Severini (hl. Severin gest. 482), verfasst von seinem Schüler Eugippius, wird Heiligenstadt "an den Weinbergen" genannt.

„ad vineas” oder "locus sanctus”

Heiligenstadt zählt zu den ältesten und wichtigsten Pfarren des Stiftes Klosterneuburg. Es wurde zwar im Jahre 1801 in der Pfarrchronik vermerkt, dass an der Wölbung des Chores die Jahreszahl 1095 entdeckt wurde, doch die ältesten urkundlichen Erwähnungen finden sich im Traditionscodex des Stiftes, das 1114 gegründet wurde.

“apud Sanctum Michaelem"

Um 1120/1125 hieß der Ort "apud Sanctum Michaelem". Die Kirche dürfte eine romanische Saalkirche gewesen sein, die später gotisiert und erweitert wurde. Damals war sie zweitürmig. Gesichert ist, dass der jetzige Turm auf den Fundamenten des ehemaligen mittelalterlichen Querhauses steht.

Die Türkenkriege

Nach den verheerenden Zerstörungen durch die Türkenkriege wurde St. Michael im Inneren durch Künstler des Stiftes in barocker Manier neu gestaltet. Matthias Steinl entwarf 1723 den Hochaltar, mehrere Altarbilder schuf Johann Georg Schmidt.

Die Neuerrichtung

Ende des 19. Jahrhunderts war das Kirchengebäude jedoch so baufällig, dass es zwischen 1894 und 1898 bis auf den Chor und die Grundmauern abgetragen werden musste. Die grandiose barocke Ausstattung wurde von Baumeister Schömer im Auftrag des Stiftes durch neugotische Architektur ersetzt. Die neuerliche Weihe fand am 26. Mai 1898 statt

Der ursprüngliche Hochaltar von Matthias Steindl ist heute in der Pfarrkirche Leopoldau. Das Hochaltarbild von Johann Georg Schmidt befindet sich im Museum des Stiftes Klosterneuburg. Der barocke Turm wurde neugotisch umgestaltet.

Letzte Renovierungen und Umgestaltungen fanden 1945/46, 1965, 2001 und vor allem 2010 statt.

Das Kirchengebäude

Das Langhaus hat ein schönes Kreuzrippengewölbe mit drei Schlusssteinen, die die drei göttliche Personen, Maria und das Wappen des Klosterneuburger Prälaten Ubald Kostersitz zeigen.

Westfassade

Die imposante Westfassade zeigt über dem Haupteingang den Erzengel Michael, ein gotisches Fenster und darüber eine Rosette. Links steht auf einem Podest eine Statue des heiligen Nepomuk (Anfang 18. Jahrhundert), die ursprünglich an der Brücke über den Grinzinger Bach unweit der Kirche stand.

Innenraum

Bei dem Sakralbau handelt es sich um eine dreischiffige Staffelkirche mit einem stark nach links verschobenen Triumphbogen, der die Durchsicht auf den erhöhten noch erhaltenen gotischen Chor freigibt.

Der Altarraum

Das Architektenteam Geiswinkler & Geiswinkler war 2010 im Rahmen der kompletten Innenrenovierung auch mit der liturgiegerechten Neugestaltung des Altarraums beauftragt worden.

Die gewählten Materialien - Edelstahl und Marmor - und ihre Verarbeitung verleihen dem Kirchenraum eine ästhetische Würde und Eleganz. Die Bodenfläche aus Terrazzo wurde mit Bindemittel dunkel gefärbt und hebt sich vom Kirchenraum durch Stufen als heiliger Bezirk ab.

Der Altar besteht aus 33 brünierten Edelstahlplatten, die die Lebensjahre Jesu Christi symbolisieren. Der Altar verbindet das Presbyterium mit dem Hauptschiff und die Mensa aus Marmor ist gemeinsam mit dem Stipes Zur Gemeinde ausgerichtet. Betrachtet man den Stipes näher, erinnert er an die Form eines Flügels.

Die Form des Ambos erinnert an ein geöffnetes Buch, das Evangelium aus dem das Wort Gottes verkündet wird.

Die Sessio, der Ort der Leitung, aus Edelstahl und Naturleder kombiniert, zeigt sich in respektvoller Distanz zu Altar und Ambo.

Die Altäre

Der neugotische Hochaltar, von Richard Jordan und den Brüdern Martin und Josef Schömer geschaffen, zeigt in der Mitte den Erzengel Michael. Links stehen der heilige Augustinus und der heilige Leopold, rechts der heilige Severin und der heilige Florian.

Der linke Seitenaltar stammt von Richard Jordan und zeigt Maria mit dem Kinde.

Der rechte Seitenaltar ist der einzige erhaltene Barockaltar. Er zeigt in der Mitte den heiligen Sebastian, umgeben von Heiligen Katharina und Elisabeth. Im Aufsatz ist ein Bild von Gott Vater eingefügt.

Der Kreuzweg

Der Bildhauer Franz Zelézny schuf 1930/31 den reliefartig gestalteten Kreuzweg, der eine historische Besonderheit aufweist: Der Künstler hat österreichische Persönlichkeiten aus den 1930er Jahren, wie z.B. Bundeskanzler Dr. Seipel, Dr. Buresch, Dr. Dollfuß, sowie Kardinal Piffl und Abt Kluger von Klosterneuburg dem Passionszug hinzugefügt.

Zwischen den Kreuzwegbildern befinden sich sechs Epitaphe:

Anna Katharina Münichin, 1716
Paulus Koller, 1774
Fr. Kasperle, 1765 - Chorherr und Pfarrer von Heiligenstadt
Anna Schwarz, 1822
Maria Susanne Riethallerin, 1713
Johann-Georg Kogler von Röttenbach, 1694

Die Orgel

Hinter der gotischen Brüstung befindet sich die aus dem Jahre 1898 stammende zweimanualige pneumatisch-mechanisch gesteuerte Orgel aus dem Hause Matthäus Maurachers Söhne. Das gesamte Orgelwerk umfasst 1534 Pfeifen.

Der alte gotische Aufgang zur Empore befindet sich in der Nordwest-Ecke.

Beim Eingang befinden sich links und rechts das Kriegerdenkmal und ein barockisierendes Missionskreuz mit der Jahreszahl 1897. Neben dem Gitter steht links der heilige Antonius und rechts der heilige Josef, beide vom Holzschnitzer Josef Rifesser.

Die Kirchenfenster

Da die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Fenster am 12. 3. 1945 zerstört wurden, beschloss man 1983 neue einzusetzen. Die künstlerische Gestaltung übernahm Dipl. Graphiker Karl Seelos aus Klosterneuburg.

Der Hochaltar ist durch die drei mittleren Fenster in Blau gehüllt. Das Licht fällt in verschiedenen Farbschattierungen ein und stellt die vom Himmel herabströmende Gnade dar.

Links im Chor:

  • Das Pfingstfenster symbolisiert mit seiner Unruhe und mit den Flammen den Willen Gottes "Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, wie froh wäre ich, Würde es schon brennen." (Luk 12,49)
  • Das Osterfenster wirkt beruhigender in sattem Blau, festlichem Gelb und strahlendem Weiß: "Auferstanden bin ich und immer bei dir"

Rechts im Chor befindet sich das Fenster der Apokalypse

  • In der Mitte oben: das himmlische Jerusalem
  • Mitte: Das Lamm, das würdig ist, die sieben Siegel zu lösen (Offb 5,1), um das Lamm sind die 24 Throne der Ältesten, die Gott huldigen, dargestellt.
  • Unten: Die 7 Engel mit den Schalen des Zornes umgeben Himmel und Erde und leiten den Endkampf gegen die antichristlichen Mächte ein (Offb16)

Da die Pfarrkirche dem heiligen Michael geweiht ist, fand die Idee, die Seitenfenster mit Engelsdarstellungen zu versehen, allgemeine Zustimmung. Von links hinten beginnend im Uhrzeigersinn

  • hinten: Erzengel Raphael (Tob 12,8) mit Tobias, der den Fisch und ein Ränzlein trägt.
  • Mitte: Erzengel Michael (Offb 12,7 - 12) Im mittleren Fenster steht Michael mit einem Kreuz in der Hand, darüber sein Name "Wer ist wie Gott" und gleichsam als Antwort das Signum Jesu: IHS.
  • vorne: Erzengel Gabriel (Luk1,35) im mittleren Fenster mit Maria, darüber die Hand Gottes und der Heiligen Geist in Gestalt einer Taube.
  • vorne: Gerichtsengel (Offb 11,15). Im oberen Teil sieht man drei Engel mit Posaunen. Gedacht ist hier auch an den Sieg, den die Märtyrer durch ihr Bekenntnis errangen.
  • Mitte: Gloriaengel (Luk 2,8 - 14); den Jubel der Engel sieht man im oberen Fenster in Form und Farbe. In der Mitte die Verkündigung der Geburt Jesu, darunter zwei Hirten mit ihren Schafen, über ihnen der Gloriaengel.
  • hinten: Schutzengel (Ex 23,20); diesen sieht man im mittleren Feld, einen Menschen begleitend. Darüber Moses mit den Gesetzestafeln, ein Hinweis auf den zweiten Moses Christus.

Quellen:
Wikipedia
geschichtewiki.wien.gv.at
Pfarrchronik von 2012